3 Frauen (-probleme)

3 Frauen (-probleme)

Was haben Britney Spears, Anne Spiegel und Tessa S. gemeinsam?

Nein, dies ist nicht der Anfang eines Witzes. Leider.

Britney Spears ist eine US-amerikanische Sängerin, Anne Spiegel war ungefähr vier Monate Bundesfamilienministerin und Tessa S. besaß mal einen Friseursalon. Und was haben sie nun gemeinsam? Alle drei Frauen waren in der letzten Woche in den Schlagzeilen. Und alle drei Geschichten zeigen mir, wie wichtig der feministische Kampf immer noch ist.

Schlagzeile Nummer eins: Britney Spears ist schwanger. Nachdem die Sängerin zuletzt im November damit Schlagzeilen machte, dass sie sich endlich aus der jahrelangen Vormundschaft durch ihren Vater befreien konnte. Zuletzt kamen erschreckende Einzelheiten über genau diese Vormundschaft zu Tage. So sagte sie aus, dass sie ihren Freund heiraten und schwanger werden wolle, ihr Vater ihr jedoch dieses Recht verwehren würde.  Ihrer Zeugenaussage nach wurde Spears vom Team ihres Vaters daran gehindert ihre Spirale entfernen zu lassen. Keine Pointe.

Schlagzeile Nummer zwei: Anne Spiegel tritt als Familienministerin zurück. Menschen, die regelmäßig die Nachrichten schauen oder auch nur irgendwie auf social media unterwegs sind werden es mitbekommen haben; Spiegel musste aufgrund von Falschaussagen bezüglich ihrer Teilnahme an Krisensitzungen zurücktreten. Sie war kurz nach der Flutkatastrophe im Jahr 2021 zu einem vierwöchigen Urlaub mit ihrer Familie aufgebrochen. Hinterher gab sie an virtuell an den Krisensitzungen teilgenommen zu haben. Das war gelogen. Eine Familienministerin und vierfache Mutter, die scheinbar an ihrem eigenen Anspruch und dem Druck einer toxischen Leistungsgesellschaft zu Grunde ging. Keine Pointe.

Schlagzeile Nummer drei: Tessa S. – ihr Name taucht eher indirekt in den Nachrichten auf. So war ihr Name auf dem Körper einer Demonstrantin zu lesen, die letzte Woche vor einem Boxkampf den Ring stürmte. „Unterstützt Tessa“ war zu lesen, die Berichterstattung kreist jedoch mehr um ihren Ex-Partner, den Profi-Boxer und Gewalttäter Tom Schwarz. Dieser hat der jungen Frau in einem Streit dreifach den Kiefer gebrochen. Sie verlor die gesamte untere Zahnreihe. Das Gerichtsurteil war wahrlich ein weiterer Schlag gegen Tessa und gegen die Frauenrechte. Das Verfahren wurde gegen eine Zahlung von 2500 Euro eingestellt, der Richter Winfried Leopold sprach davon, dass Schwarz „eben der Meister der fliegenden Fäuste und nicht der Meister des gesprochenen Wortes“ sei. Keine Pointe.

Es geht hier nicht darum diese Geschichten in ihrer Tragik miteinander zu vergleichen oder gar eine Entscheidung zu treffen, welche am tragischsten ist. Vielmehr sollen diese drei Geschichten aufzeigen, wie vielschichtig die Probleme von Nicht-Männern in unserer Gesellschaft sind. Viele Frauen dürfen im Jahr 2022 nicht über ihren eigenen Körper bestimmen. Offensichtlich nicht nur dann, wenn es um den Abbruch einer Schwangerschaft geht, denn Britney Spears scheint gegen ihren Willen zur Verhütung gezwungen worden sein.  Anne Spiegel hat sich durch ihre Falschaussagen wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert, aber Menschen machen nun mal Fehler und treffen schlechte Entscheidungen. Muss eine Politikerin deswegen ihr Amt räumen, obwohl sie sich öffentlich entschuldigt? Und warum scheinen andere Politiker an ihrem Amt zu kleben, obwohl sie bis zum Hals in Affären verstrickt sind? Wie kann es sein, dass ein Verkehrsminister eine gesamte Legislaturperiode im Amt bleiben kann, obwohl er für ein desaströses Maut-Projekt die Verantwortung trägt? Weil er keine Schuldeingeständnisse macht? Weil er ein Mann ist? Oder ein bisschen von beidem? Bleibt zu wünschen, dass wir aus dem Fall Spiegel wenigstens ein Learning ziehen: Die Politik in diesem Land hat immer noch keinen Platz für Familien und somit auch immer noch keinen Platz für viele fähige Menschen , die sich nicht zwischen Familie und Politik entscheiden wollen.  Und zu guter Letzt zu der Tat dieses Boxers, dessen Name ich in diesem Text schon zu oft verwendet habe. daher schließe ich mit den Worten Tessas zu der Frage, was sie Frauen in ähnlichen Situationen raten würde, ab: „Ich habe lange meinen Mund gehalten, das war ein Fehler und ich rate allen Frauen dazu sich Hilfe zu holen, sich Unterstützung zu holen und das nicht über sich ergehen zu lassen. Auf keinen Fall. Das muss bestraft werden.“

Unser Kampf ist noch nicht zu Ende. Im Gegenteil: wir fangen gerade erst an!

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Elena Kristin Boecken

Elena Boecken ist Schauspielerin und Regisseurin aus Köln. Sie ist Ensemblemitglied bei "Das Theaterbüro" und engagiert sich außerdem im Netzwerk Dialog und Demokratie für eine offene und konstruktive Gesprächskultur. Außerdem schreibt sie Theaterstücke und Beiträge für feministische Performances.

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